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Gotthold Ephraim Lessing - Emilia Galotti

Gotthold Ephraim Lessing kam am 22. Jänner 1729 in Kamenz zur Welt. Auf der Fürstenschule Sankt Afra in Meißen eignete er sich Kenntnisse der alten Sprachen an, lernte Englisch und Französisch und bildete sich in Mathematik und Philosophie. Angeregt durch Werke von Terenz und Plautus erwachte sein Interesse für das Theater. Seine bekanntesten Werke sind unter anderem: „Der junge Gelehrte“, „Nathan der Weise“, „Minna von Barnhelm“ und „Emilia Galotti“ Lessing verstarb am 15. Februar 1781 in Braunschweig

Hettore Gonzaga, Prinz von Guastalla ist seit seiner ersten Begegnung mit der aus niederem Adels stammenden Emilia Galotti wie besessen, ihr Geliebter zu werden. Er befiehlt seinem Kammerherrn Marchese Marinelli die Hochzeit der Emilia Galotti mit dem Grafen Appiani zu verhindern. So wird der Graf auf dem Weg zu seiner Hochzeit von Räubern überfallen und getötet. Emilia überlebt und wird in das in der Nähe gelegene Lustschloss der Prinzen gebracht. Die Mutter von Emilia, Claudia erkennt im Gegensatz zu ihrer Tochter sehr bald die Intrigen, unternimmt aber noch nichts. Zufällig kommt Orsina, eine Gräfin auf das Schloss. Aus Wut auf den Prinzen, versucht sie, den Vater von Emilia, Odoardo zu überzeugen, dass er den Prinzen töten soll. Odoardo zögert aber und lässt den Prinzen am Leben, stattdessen will er seine Tochter aus den Fängen des Prinzen befreien und erdolcht sie.

In diesem berühmten bürgerlichen Trauerspiel von Lessing wird vor allem ein großes Thema angesprochen: Der Konflikt zwischen dem Adel und dem Bürgertum. Er zeigt mit versteckter Kritik, dass viele Mächtige korrupt sind und keine Führungsstärke zeigen.

Der Prinz regiert absolutistisch. Er zeigt, dass er nur Emilia Galotti im Kopf hat und ihm seine Regierungsgeschäfte egal sind: 1 Aufzug, 8 Auftritt:
Camillo Rota: “Ein Todesurteil wäre zu unterschreiben.“
Der Prinz:“ Recht gern – Nur her! geschwind.“
Camillo Rota: „Ein Todesurteil, sagt ich.“
Der Prinz:“ Ich höre ja wohl. […] Ich bin eilig.“
Im Gegensatz dazu ist er ein Förderer der Kunst. Dem Maler Conti lässt er es sogar frei, wie viel Geld dieser verlangen darf

Die Familie der Emilia Galotti gehört zum niederen Adel. Ihre Eltern sind arm und Emilia ist der ganze Stolz der Familie. Sie verkörpert Schönheit und Anmut, hat aber keine eigene Meinung und lässt sich von Vater, Mutter und dem Prinzen leicht beeinflussen. Hier kritisiert Lessing im Sinne Kants „sapere aude“ die Unmündigkeit des Bürgertums. Emilia ist nicht im Stande, eine eigene Meinung zu bilden oder ihrem Willen zu folgen.

Odoardo verkörpert das rationale Denken, obgleich er manchmal in eine irrationale Denkweise zurückfällt. Er benutzt seinen eigenen Verstand und steht damit im Widerspruch zu seiner Tochter Emilia.

Der Graf Appiani scheint die mutigste Figur im Trauerspiel zu sein, da er die Aufforderung von Marinelli zu einem Duell sofort annimmt. Trotzdem ist er außer sich vor Wut. Es scheint, als versuche er in der Öffentlichkeit anmutig, stolz und fortschrittlich zu sein, in Wirklichkeit scheint er sehr schnell die Geduld zu verlieren „Und dann? – und dann? – Ihre Frage ist auch verzweifelt naiv.“ (2. Aufzug, 10 Auftritt) oder „Ja wohl gewiss? – Sie sind mit Ihrem Ja wohl – ja wohl ein ganzer Affe!“

Marchese Marinelli ist der intrigante Kammerherr des Prinzen. Er gibt die Ermordung des Grafen Appiani in Auftrag und spart nicht mit Schadenfreude: „[…] und wie zahm sie auf einmal ward, bei dem ersten Anblicke von Ihnen - - Ha! ha! […]“ (4 Aufzug, 1 Auftritt; im Zusammenhang mit der Begegnung mit Claudia)

Gräfin Orsina erweckt den Eindruck einer aufgeklärten mutigen Frau, die ihren eigenen Verstand benutzt. Sie ist wütend auf den Prinzen und möchte sich unbedingt an ihm rächen. Marinelli versucht sie zurückzuhalten und beginnt ein Gespräch, in dem sie zuerst Marinelli, dann den Prinzen als Mörder beschuldigt: Orsina: „[…] Der Prinz ist ein Mörder!“ , „[…] Marinelli war das letzte Wort aus dem Munde des Prinzen!“ (4 Aufzug, 5 Auftritt)

Claudia Galotti hat große Ähnlichkeiten mit Emilia. Sie lässt lieber Odoardo für sie denken und bleibt im Hintergrund. Im Trauerspiel übernimmt sie eine wichtige Rolle, da sie Odoardo den Tod des Grafen mitteilt.

Über Conti, Angelo und Pirro erfährt man sehr wenig.