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Die Evolutionstheorie

Allgemeines:

Die Evolutionstheorie beschreibt die Entstehung der Vielfalt der Arten auf der Erde als das Ergebnis der permanenten Evolution. Häufig wird die Evolutionstheorie auch mit der Deszendenztheorie erweitert die besagt, dass alle Lebewesen aus einst einfachen Organismen entstanden sind und sich damit gegen die Vorstellung wendet, alles wäre plötzlich durch einen göttlichen Schöpfungsakt erschienen.
Mit der Evolutionstheorie wird heute häufig Charles Darwin verbunden, tatsächlich gibt es eine Reihe an Evolutionstheorien die sich primär in der Vorstellung unterscheiden, welche Evolutionsfaktoren maßgebend an der Entwicklung beteiligt sind.

Die Lamarck’sche Evolutionstheorie:

Jean Baptiste Pierre de Lamarck war ein französischer Naturforscher der als Begründer des Lamarckismus gilt. Nach seiner Vorstellung verändern Umwelteinflüsse alle Lebewesen und diese Veränderungen werden durch Vererbung an die Nachkommen weitergegeben. Seine Hypothese besagt, dass häufig genutzte und stark beanspruchte Organe kräftiger und leistungsfähiger werden, nicht oder wenig genutzte Organe verkümmern. Lamarck geht dabei also aus, dass sich Änderungen am Phänotyp auch auf den Genotyp niederschlagen. Als Beispiel nannte er dabei Giraffen, wobei jene Tiere, die zufällig etwas längere Hälse hatten als die anderen begünstig waren und mehr Blätter der Bäume fressen konnte, daher kräftiger wurden und eher ihr eigenes Erbgut weitergeben konnten. Die Bemühungen, die Theorie experimentell zu bestätigen scheiterten und heute gilt sie als überholt und widerlegt. Trotzdem war sie ein Grundstein in der Geschichte der Evolutionstheorie.

Die Darwin’sche Evolutionstheorie:

Lamarck hatte eine Welle der Entrüstung bei religiösen Vertretern seiner Zeit ausgelöst. Zwar gab es schon sehr früh erste Ideen zur Evolution, aber Lamarck hatte als Erster die als unantastbar angesehene Schöpfung in Frage gestellt. Noch viel mehr Aufruhe sollte der 1809 in England geborene Naturforscher Charles Robert Darwin verursachen. Auf seiner 5-jährigen Forschungsreise auf dem britischen Schiff „Beagle“ gelangte der tief gläubige Darwin auch auf die Galápagos-Inseln und studierte dort die Artenvielfalt, besonders die der Vögel. Er entdeckte dabei, dass viele Vogelarten leicht unterschiedliche Schnabelformen und Gefieder hatten als ihre Artgenossen am Festland. 1859 veröffentlichte er nach langem Zögern sein Buch „The origin of species“ wo die zwei Schlagworte „Selektion“ und „Variation“, anders als bei Lamarck, als die treibende Kraft der Evolution angesehen wurde. „Natürliche Selektion“ meint, dass besser angepasste Lebewesen eher die Chance haben zu überleben und ihre Gene weiterzugeben als andere. „Variation“ bedeutet, dass es eine Bandbreite an zufällig aufgetretenen Merkmalen gibt, die sich möglicherweise als vorteilhaft für das Individuum erweisen wodurch das Merkmal weitergegeben wird. Das Prinzip der natürlichen Auslese gilt heute als bewiesene Tatsache und wird von fast allen Biologen akzeptiert. Unterstützt wird die Theorie durch folgende Indizien:

1) Homologie:
Man bezeichnet damit gleichartige Strukturen von verschiedenen Lebewesen die auf einen gleichen Ursprung zurückzuführen sind, sich in Aussehen und Funktion aber unterscheiden. Beispiele sind z.B. die Gliedmaßen von Wirbeltieren: Alle Vertebraten besitzen zwei vordere und zwei hintere Gliedmaßen wobei ebenfalls bei allen Wirbeltieren die Gliedmaßen in 5-gliedrige Fingern enden. Fledermausflügel sind ebenso von 5 Knochen durchzogen wie Maulwurfgrabhände. Bei bestimmten Tieren wie z.B. dem Pferd oder dem Wal haben sich Teile dieser Aufgliederung bereits wieder zurückgebildet, mehr dazu bei rudimentären Organen.

2) Rudimentäre Organe:
Rudimentäre Organe sind Teile im Organismus, die ihre Funktion im Laufe der Evolution verloren haben und nun als Reste vorhanden sind bzw. sich bereits zurückbilden. Reste des Beckengürtels von Walen zählen ebenso dazu wie die Restbehaarung des Menschen oder das Steißbein. Typisches Beispiel sind auch die Griffelbeine des Pferdes: Es handelt sich dabei um den zweiten und vierten Mittelfußknochen die dem Röhrbein seitlich anliegen. Während die Evolutionstheorie dieses scheinbar unnütze Organe treffend mit der Idee der rudimentären Organe erklären kann, geraten fundamentalistische Kreationisten hier in Erklärungsnot, da es für einen allmächtigen Gott keinen Grund gibt, den Lebewesen unnütze Organe hinzuzufügen. Damit sind rudimentäre Organe auch ein eindeutiger Beweis für die Evolutionstheorie.

3) Paläontologie:
Die Paläontologie befasst sich mit der Suche und Beschreibung von Fossilien von Tieren und Pflanzen und ist damit eine wichtige Säule der Evolutionstheorie. Sie dokumentieren die Stammesgeschichte von Organismen da sie einen Einblick in die Phylogenese geben. Obwohl nicht jeder tote Organismus automatisch zu einem Fossil wird und sich die Suche nach Fossilien als äußerst schwer gestaltet, wurden im Laufe der Zeit einige urzeitliche Lebewesen gefunden die beweisen, dass es einst Lebewesen gab, die sich von heutigen unterscheiden. Auf diesem Weg wurden auch zahlreiche Fossilien gefunden, die Aufschluss über die Hominiden-Evolution geben. Bekanntestes Beispiel ist wohl Fossil "Lucy", das 1974 in Äthiopien entdeckt wurde, weitere Hominidenfunde sind Twiggy, das Kind von Taung, Georg oder Cindy. Das von Kreationisten oft vorgebrachte Argument, es würde sich bei diesen Funden nur um deformierte Knochen von Homo sapiens handeln kann insofern entkräftet werden, als die Anzahl gleichartiger scheinbarer Deformationen zu hoch ist, als das dies in Betracht käme.

4) Brückenformen:
Bei Brückenformen handelt es sich um Organismen, die Eigenschaften bzw. Merkmale von verschiedenen systematischen Gruppen tragen. Bekanntestes Beispiel ist wohl der Schlammspringer, der als Zwischenform zwischen Fisch und Amphibie gilt. Er hat Kiemen einerseits, andererseits auch muskulöse Brustflossen die es ihm erlauben, sich auf dem Land zu bewegen. In der Geschichte der Erde gilt die Besiedelung des Landes als großer evolutionistischer Sprung, der unter anderem durch den Schlammspringer erklärt werden kann: Das Land zu besiedeln war ein eindeutiger Selektionsvorteil da hier keine Fressfeinde warteten. Begünstigt wird dies durch die Tatsache, dass Schlammspringer Meerwasser im Kiefer "speichert" und so längere Zeit an Land bleiben kann. Dazu kommt, dass auch der Mensch im Embryonalstadium Kiemenfalten ausbildet, diese sich kurze Zeit später wieder rückentwickeln. Auch hier können Kreationisten nicht erklären, warum ein allmächtiger Gott diese heutzutage unnötige Kiemenbildung erschaffen soll. Die Evolutionstheorie hingegen erklärt sie treffend durch die "Biogenetische Grundregel".
Weiter Beispiele für Brückenformen sind das Schnabeltier (Übergang zwischen Reptil und Säugetier), der Quastenflosser (Vorfahre der Landwirbeltiere) oder Archaeopteryx (Übergang zwischen Reptil und Vogel).