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Die Macht der Gruppe

Eine Ameise allein kann nicht viel bewirken – ein Schwarm von Ameisen sehr wohl. „Kollektive-Intelligenz“ oder „Schwarm-Intelligenz“ heißt das Zauberwort. Biologen meinen nun herausgefunden zu haben, dass gerade die Planlosigkeit der Schlüssel zum Erfolg sein soll.

Wer eine Ameise beobachtet, wie sie scheinbar ohne festes Ziel auf dem Küchentisch krabbelt, einmal nach links, dann doch wieder nach rechts ausschlägt meint: Dieses Tierchen kann keinen Plan davon haben, was es tut. Wenn Vögel in Schwärmen umherfliegen, scheinbar jeder einzelne für sich ein Ziel verfolgt, aber die Gruppe doch immer zusammenbleibt und in eine zufällige Richtung fliegt meint: Auch hier ist kein Plan dahinter. Und diese Meinungen sollen tatsächlich richtig sein?!

Ameisen bevölkern seit 140 Millionen Jahren die Erde. Es muss also doch eine gewiefte Tierart sein, wenn man so lange Zeit mit Erfolg überleben kann. „Eine einzelne Ameise allein stellt sich dabei sehr ungeschickt an“ meint Deborah M. Gordon, Biologin an der Universität Stanford „Ameisen sind nicht clever – Ameisenkolonien schon“. Kurz: Intelligenz ist bei einzelnen Ameisen nicht festzustellen, in der Gruppe verhalten sie sich aber klug – wie kann das sein?
In Ameisenkolonien gibt es keinen Anführer. Die Königin ist nur dazu da, Eier zu legen, die Arbeiterinnen werden nicht von Generälen oder Chefs kontrolliert und trotzdem organisiert sich das System selbst. Ein Faktor dabei ist die Vielseitigkeit: Eine Ameise kann Bauarbeiter, Nahrungsbeschaffer oder Kämpfer zugleich sein. Fällt ein Tier aus, kann es leicht ersetzt werden da alle Ameisen die gleichen Fähigkeiten haben. Aber wie weiß die Ameise, was sie tun soll? Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Ameisen mit Geruch kommunizieren. Ameisen die sich längere Zeit außerhalb des Baues befunden haben riechen anders als Ameisen, die im Bau waren (im Bild dargestellt durch rote Ameisen). Abgebildet wird diese Situation im Bild unten: Verlassen Ameisen den Bau (schwarze Ameisen – Bild 1) und kehren alle oder viele dieser Scout-Ameisen wieder zurück in den Bau (rote Ameisen – Bild 2) ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass diese (roten) Ameisen mit vielen Ameisen im Bau kommunizieren können. Kehren nur sehr wenige Ameisen zurück (Bild 3) können natürlich nur wenige Ameisen mit Ameisen im Bau kommunizieren. Die Ameisen denken also nicht wie folgt: Wenige Ameisen kehren zurück = Ein Feind könnte draußen lauern und uns fressen. Ameisen befolgen eine ganz einfache Regel: Dort wo die Ameise war, mit der ich kommuniziere, dort gehe ich auch hin.

Eine Berührung allein reicht dabei nicht. Wenn sich zu wenige Ameisen finden, die den Bau verlassen haben und erfolgreich zurückgekehrt sind, bleibt die Ameise lieber im Bau. Der Nachteil an diesem System ist, dass alles mehr oder wenige an Zufälle gebunden ist: Findet eine Erkundungsameise einen Leckerbissen, legt sie eine Spur von Pheromonen. Dies signalisiert anderen Ameisen, mehr Futter zu holen. Immer mehr Ameisen folgen dem Pfad – eine Ameisenstraße entsteht. Wenn aber keine Nahrungsquellen in der Nähe sind, braucht die Ameise länger um Futter zu finden. Und so lange die Erkundungsameisen nicht wieder zurück im Bau sind, werden kaum neuen Tierchen nachgeschickt.
Ein Problem das Ameisen nicht, Menschen aber sehr wohl haben macht sich in jeder Firma bemerkbar: Macht ein Mensch einen Fehler, wird er zurechtgewiesen. Alleine das Gespräch mit den Vorgesetzten kostet dann Arbeitszeit. Lässt eine Ameise unabsichtlich ein Blatt fallen, kümmert das niemanden: Die Ameise wird nicht beschimpft oder ausgeschlossen, sie arbeitet einfach weiter.
Craig Reynolds, Experte für Computergrafiken programmierte ein Programm, das die Funktion eines Schwarmes eindrucksvoll demonstrierte. Er simulierte, sich am Bildschirm bewegende Objekte die nur 3 Grundregeln zu beachten hatten: 1) Bleibe in der Nähe deines Nachbarn, 2) Fliege nicht zu dicht auf deinen Nachbarn auf, 3) Fliege in die Durchschnittsrichtung deiner Nachbarn. Heraus kam ein sich mit verblüffender Präzession fortbewegender Schwarm, inklusive zufälligen Richtungsänderungen. Noch heute wird seine Technik in Filme oder Computerspielen genutzt.

Natürlich hat sich der Mensch die Prinzipien der „Kollektiven-Intelligenz“ schon zu nutze gemacht. Heute werden z.B.: Lastwagen-Routen mit ähnliche Methoden festgelegt, wie Ameisen ihre Ziele finden. Und eines ist dabei immer wieder faszinierend: Die einfachsten Lösungen sind dabei die besten.