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Österreich nach dem zweiten Weltkrieg

Am 29. März 1945 überschritten alliierte Soldaten erstmals die heutige österreichische Grenze im mittleren Burgenland. Es sind Soldaten der Roten Armee. In ihren Taschen: Flugblätter in denen sie sich zu Befreiern vom NS-Regime erklären.
Die Truppen ziehen Richtung Wien (Schlacht um Wien beginnt am 6. April 1945 und dauert eine Woche). Zu Ostern stehen die sowjetischen Truppen 30 Kilometer vor Graz. Es kommt zu schweren Kämpfen, bis sich die letzten Kämpfen ehe sich die letzten Nationalsozialisten geschlagen geben oder getötet werden.

Die Amerikaner beginnen im Mai 1945 mit dem aktiven Vormarsch nach Österreich vom Nordwesten. Die Briten kommen vom Süden, die Franzosen vom Westen.
Neben der Freude über das Ende des Krieges und der Befreiung von der NS-Herrschaft, dominieren besonders in den von der roten Armee besetzten Gebieten Unsicherheit, Angst vor Gewalt, Verschleppung, Vergewaltigung, Raub und Mord.

Die schreckliche Bilanz des 2. Weltkrieges in Österreich: 65.000 ermordete Juden, 2.700 hingerichtete Widerstandskämpfer, 30.000 "Euthanasie"- Opfer und 15.000 weitere Tote (darunter Roma und Sinti, Zeugen Jehovas,...). 200.000 Menschen wurden im KZ Mauthausen inhaftiert - die Hälfte getötet. Im Krieg fielen allein 240.000 Österreicher, 117.000 wurden verwundet, 76.000 vermisst. Die Zahl der Ziviltoten wird auf 24.000 geschätzt.

Der Geburtstag der Zweiten Republik: Zwischen 20. und 23. April wird von Karl Renner eine provisorische Staatsregierung aus Vertretern der Partein ÖVP, SPÖ und KPÖ gebildet. Diese Regierung hatte vorerst kaum Machtbefugnisse, da Österreich noch von den Alliierten "regiert" wurde.
Am 27. April 1945 folgt die Unabhängigkeitserklärung. Die Staatsregierung tritt zusammen und proklamiert die "Wiederherstellung der Republik Österreich"
Am 1. Mai 1945 wurde die Bundesverfassung wieder in Kraft gesetzt.
Am 25. November 1945 folgten schließlich die ersten freien Wahlen der Zweiten Republik. Die ÖVP gewinnt überlegen, die SPÖ wurde (auch wegen der fehlgeschlagenen Wahlwerbung) Zweite, unerwartet schwer fiel der Niederlage der KPÖ (mit nur ca. 5% der Stimmen) aus.
Österreich begann sich anfangs nur schwer von den Schäden des Krieges zu erholen. Bei der so genannten "Entnazifizierung" wurde die öffentliche Verwaltung zwar von Nazis "gesäubert" viele Urteile gegen ehemalige Nationalsozialisten wurden aber aufgehoben. Von den 25.500 Personen, die vor Gericht gestellt wurden, wurden 13.600 verurteilt, davon 43 Todesurteile gefällt, 30 ausgeführt. Ab 1947 wurde versucht, ehemalige Nazis zu reintegrieren (z.B.: Entzug des Wahlrechts wurde rückgängig gemacht).
In den folgenden Jahren begann die Wirtschaft Österreichs langsam zu arbeiten. Mit dem Marshall-Plan erhielt Österreich nach Norwegen die zweitgrößte Pro-Kopf Hilfe an Fördergeldern.

Der Staatsvertrag
Stalin hatte sich bis zu seinem Tod gegen ein unabhängiges Österreich ausgesprochen. Nach seinem Tod 1953 erklärte sich die Sowjetunion bereit, erneut über den Staatsvertrag zu verhandeln. Am 11. April 1955 wurde eine österreichische Delegation zu Verhandlungen nach Russland eingeladen. Das Resultat war durchaus positiv: Am 15. Mai 1955 wurde der Österreichische Staatsvertrag schließlich im Schloss Belvedere von den Außenministern Leopold Figl, John Foster Dulles (USA), Harold Macmillan (GB), Antoine Pinay (F) und Wjatscheslaw Molotow (SU) feierlich unterzeichnet. Figl sprach in seiner Dankesrede auch die berühmten Worte "Österreich ist frei".

Staatsvertrag - Auszug:

Die Alliierten und Assoziierten Mächte erklären, daß sie die Unabhängigkeit und territoriale Unversehrtheit Österreichs, wie sie gemäß dem vorliegenden Vertrag festgelegt sind, achten werden.

1. Die Alliierten und Assoziierten Mächte erklären, daß eine politische oder wirtschaftliche Vereinigung zwischen Österreich und Deutschland verboten ist. Österreich anerkennt voll und ganz seine Verantwortlichkeiten auf diesem Gebiete und wird keine wie immer geartete politische oder wirtschaftliche Vereinigung mit Deutschland eingehen.

Artikel 6.
Menschenrechte
1. Österreich wird alle erforderlichen Maßnahmen treffen, um allen unter österreichischer Staatshoheit lebenden Personen ohne Unterschied von Rasse, Geschlecht, Sprache oder Religion den Genuß der Menschenrechte und der Grundfreiheiten einschließlich der Freiheit der Meinungsäußerung, der Presse und Veröffentlichung, der Religionsausübung, der politischen Meinung und der öffentlichen Versammlung zu sichern.

Artikel 7.
Rechte der slowenischen und kroatischen Minderheiten
1. Österreichische Staatsangehörige der slowenischen und kroatischen Minderheiten in Kärnten, Burgenland und Steiermarkgenießen dieselben Rechte auf Grund gleicher Bedingungen wie alle anderen österreichischen Staatsangehörigen einschließlich des Rechtes auf ihre eigenen Organisationen, Versammlungen und Presse in ihrer eigenen Sprache.

Artikel 9.
Auflösung nazistischer Organisationen
1. Österreich wird die bereits durch die Erlassung entsprechender und von der Alliierten Kommission für Österreich genehmigter Gesetze begonnenen Maßnahmen zur Auflösung der nationalsozialistischen Partei und der ihr angegliederten und von ihr kontrollierten Organisationen einschließlich der politischen, militärischen und paramilitärischen auf österreichischem Gebiet vollenden. Österreich wird auch die Bemühungen fortsetzen, aus dem österreichischen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben alle Spuren des Nationalsozialismus zu entfernen, um zu gewährleisten, daß die obgenannten Organisationen nicht in irgendeiner Form wieder ins Leben gerufen werden, und um alle nazistische oder militaristische Tätigkeit und Propaganda in Österreich zu verhindern.