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Friedrich Schiller - Die Räuber

Bei Friedrich Schillers Werk „Die Räuber“ handelt es sich nach eigener Kennzeichnung Schillers um ein Trauerspiel, dass in 5 Akte unterteilt ist, die sich wiederum in 2 bis 5 Szenen gliedern. Schiller verfasste sein Werk vermutlich in der Zeit seiner letzten Studienjahre 1779/89 und veröffentlichte es 1781 anonym. Am 13. Jänner 1782 wurde es in Mannheim erfolgreich uraufgeführt. Nach Beschreibungen von Augenzeugen, brachen „Jubelstürme“ aus. Besonders bei Jugendlichen fand das Stück großen Anklang. Das war kein Zufall. Auch Goethe meinte:“ Das war vor 50 Jahren nicht anders und wird auch in 50 Jahren noch so sein. Was ein junger Mensch geschrieben hat, wird auch wieder am besten von jungen Leuten genossen werden“ (Schiller war zu dem Zeitpunkt, als er die Räuber schrieb etwa 20 Jahre alt, Anm.) Damit man nun einen ungefähren Eindruck bekommt, wie es in etwa bei der Aufführung zugegangen ist, möchte ich kurz ein Zitat eines Theaterbesuchers vorlesen: "Das Theater glich einem Irrenhaus, rollende Augen, geballte Fäuste, heisere Aufschreie im Zuschauerraum. Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnacht nahe, zur Türe. Es war eine allgemeine Auflösung, wie im Chaos, aus dessen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht." (Bericht von der Uraufführung in Mannheim am 13. Januar 1782)

Malerei einer Szene aus dem Werk

Obwohl der Herzog Schiller verboten hatte, der Uraufführung beizuwohnen, erschien er. Der Herzog Karl Eugen ließ ihn darauf Vierzehn Tage in den Kerker werfen und untersagte ihm Komödien und, Zitat, „dergleichen Zeugs“ zu schreiben. Interessant ist, dass in den Monaten nach der Uraufführung von Freiheitsbegeisterten Jugendlichen besonders in Süddeutschland viele „Räuberbanden“ gegründet wurden. Schillers Werk hinterließ also sofort einen prägenden Einfluss.

Inhalt:
Graf Maximilian von Moor hat 2 Söhne. Der Jüngere, Franz, der zu Hause lebt und Karl, der nach Leipzig gereist ist, um beim Studium seine Bildung zu vervollständigen. Franz, schon immer neidisch auf seinen Bruder, bringt seinem Vater gefälschte Nachrichten, um Karl zu verstoßen. Unter anderem behauptet Franz, Karl hätte Schulden, einen Edelmann erdolcht und die Tochter eines reichen Bankiers entjungfert. Trotz all diesen belastenden Nachrichten zweifelt der Vater. So meint er unter anderem:“ Nicht das Fleisch und Blut, das Herz macht uns zu Vätern und Söhnen“. Er meint also, dass die väterliche Liebe über materielle Werte oder Schande hinausgeht und das die Vaterfigur für Söhne viel mehr darstellt als einen bloßen Menschen. Ein Ähnliches Zitat findet sich übrigens auch in „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing:“ Aber macht den nur das Blut / Den Vater? […] / […] das Blut, das Blut allein / Macht lange noch den Vater nicht!“
Es finden sich übrigens noch einige weitere Bezüge zu anderen Werken. Unter anderem spielt Franz mit seiner Aussage, sein Bruder sei ein „verlorener Bruder“ auf das biblische Gleichnis des verlorenen Sohnes an.
Da aber der Vater den Nachrichten nicht so recht glauben kann, verfasst Franz einen Brief an Karl, und schreibt unter dem Namen seines Vaters, dass er verstoßen worden wäre und nicht nach Hause zurückkehren dürfe.

Zur selben Zeit schimpft Karl mit seinem Freund Spiegelberg über die engen Gesetze im Land. So meint er unter anderem: Zitat aus dem Buch:“ Das Gesetz hat zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug geworden wäre. Das Gesetz hat noch keinen großen Mann gebildet, aber die Freiheit brütet Kolosse […] aus. Zu der Aufregung kommt nun der vermeintliche Brief seiner Vaters hinzu. Karl ist entsetzt über die Verstoßung und das ein Verzeihen undenkbar wäre. Spiegelberg kommt auf die Idee, eine Räuberbande zu gründen und schon bald sind begeisterte junge Anhänger gefunden, die aber zum Ärger Spiegelbergs, Karl zu ihrem Hauptmann wählen.

In der Heimat versucht Franz inzwischen Karl’s Geliebte, Amalia zu verführen. Diese zeigt ihm jedoch deutliche Abneigung und ist bereit alles aufzugeben, nur um Karl nahe zu sein. Franz reicht es jedoch nicht, nur seinem Bruder zu schaden, er überlegt auch, wie er seinen Vater los werden könnte, ohne selbst Hand anlegen zu müssen. Er bittet Hermann, der im Buch als „Bastard von einem Edelmann“ bezeichnet wird, sich zu verkleiden und die Nachricht von Karl’s Tod zu überbringen. Hermann tut dies und der alte Moor bricht nach dieser Botschaft zusammen.

Die Räuberbande hat unterdessen zahlreiche Kirchen und Häuser geplündert. Während die meisten der Truppe Spaß am Morden und Rauben finden, denkt Karl intensiv über seine Taten als Räuber nach. Als ihm ein Räuber erzählt, dass er ein Kleinkind getötet hat, gerät Karl außer sich vor Wut und jagt ihn davon.

Der Wald wird bald darauf von Soldaten umstellt und ein Priester versucht, Karl zu überreden, sich zu stellen. Und obwohl Karl bereit ist, sich zu opfern, wollen die Räuber ihren Hauptmann nicht kampflos ziehen lassen. Es kommt zum Gefecht, wobei die Räubertruppe zwar erheblich geschwächt wird, jedoch siegreich bleibt. Ein gewisser Kosinsky taucht plötzlich auf, und erwähnt in seinen Erzählungen auch den Namen Amalia, was in Karl die Sehnsucht nach seiner Heimat wieder erweckt. Nun gerät Karl in einen Gewissenkonflikt: Er hat den Räubern geschworen, einer von ihnen zu bleiben, andererseits möchte er nun doch sein bürgerliches Leben weiterführen. Er löst diese Krise, indem er vorerst unerkannt in das Schloss seines Vaters zurückkehrt und Amalia aufsucht. Er gibt sich als Graf von Brand aus und lässt sich zu Amalia bringen, wobei beide gemeinsam das so genannte Hecktorlied singen:

Willst dich Hektor, ewig mir entreißen Wo des Äaciden mordend Eisen Dem Patroklus schröcklich Opfer bringt Wer wird künftig deinen Kleinen lehrern Speere werfen und die Götter ehren Wenn hinunter dich der Xanthus schlingt?

Inhaltlich geht es um den Vorkämpfer der Tojaner, den Held Hektor, der zu seinem vermutlich letztem Kampf aufbricht und seine Frau nie wieder sehen wird. Im Buch ist das Lied ist eine Schlüsselszene, da sich Karl dadurch Amalia zu erkennen gibt. Trotzdem flüchtet er und kehrt zu seiner Räuberbande zurück. Spiegelberg hat während der kurzen Abwesenheit von Karl versucht, den Posten des Hauptmannes für sich zu beanspruchen, wofür ihn der Räuber Schweitzer erdolcht. Karl erfährt auf der Rückreise zu den Räubern, dass Franz seinen Vater in einen Turm gesperrt hat und gibt Schweizer den Befehl, seinen Bruder Karl zu ermorden, während Karl seinen Vater befreit Bis auf Karl zieht die ganze Räuberbande zum Schloss und noch ehe Schweizer Franz erreichen kann, erhängt sich dieser. Da Schweizer seinen Auftrag nicht mehr erfüllen kann, erschießt er sich. Die Räuber bringen Amalia zu Karl gibt seine Identität preis, was den alten Moor vor Gram tot zusammenbrechen lässt. Amalia möchte jedoch bei Karl bleiben, was aufgrund seines Schwurs zwischen den Räubern nicht möglich ist. Sie möchte daraufhin nicht mehr weiterleben und wird von Karl nach langem Bitten getötet. Karl, der nun einsieht, dass ihm sein Leben als Räuber nur Unglück gebracht hat, begeht am Schluss ebenfalls Selbstmord.

Interpretation:
Das Schauspiel wurde während der Zeit des „Sturm und Drang“ geschrieben. Typische Merkmale dieser Bewegungen waren die Verachtung gegen die Gesellschaft, die Gesetze und die Verstandesbetontheit. Man versuchte, die strengen Regeln des klassischen Dramas zu durchbrechen und Vertreter des „Sturm und Drang“ versuchten bewusst keine der Grundsätze des aristotelischen Theaters einzuhalten. Auch „Die Räuber“ sind alles andere als nach den Regeln des aristotelischen Theaters verfasst. Solche Werke nennt man offene Dramen oder nicht-aristotelische Dramen. Vertreter des Sturm und Drang kamen meist aus gutem Elternhaus und waren sehr gebildet. So waren neben Friedrich Schiller auch Heinrich Leopold Wagner oder Johann Wolfgang von Goethe literarische Vertreter dieser Bewegung. Verfolgt man die Lebensgeschichte Schillers so ist es nur allzu wahrscheinlich, dass sich Friedrich Schiller mit Karl Moor identifiziert und das aus Moor auch der Freiheitsdrang des Autors selbst spricht. Schiller genoss eine Unbeschwerte Jugend, ehe er auf Befehl des Herzogs in die Militärakademie in Stuttgart eintreten musste. Der Zögling soll mit brutalen militärischen Drill erzogen worden sein. Trotzdem setzte sich Schiller über die Regeln hinweg, schnupfte Tabak und las zusammen mit Kameraden verbotene Schriften und besonders intensiv Werke des Sturm und Drang. Dennoch wäre es falsch zu sagen, erst durch Schiller und insbesondere seines Werks „Die Räuber“ wäre die Jugend zu Missetaten angestiftet worden. Das Hinwegsetzen über Regeln war unter der intellektuellen Jugend seiner Zeit „in“. Man vermutet auch, dass das Schicksal des bekanntesten Räuberhauptmannes Nikol List dem Werk „Die Räuber“ teilweise als Vorlage gedient habe.
Karl Moor wird als schöner Jüngling mit feurigem Geist beschrieben, den selbst das wüste Studentenleben in Leipzig nicht den Sinn für alles Hohe abgestumpft. So ließt er zum Beispiel, während die anderen zechen. Als er den Brief seines Vaters erhält, bricht bei ihm eine Innere Verzweiflung hervor und er lässt sich überreden, der Hauptmann einer Räuberbande zu werden. Dies tut er aber nicht aus der Lust am Rauben und Morden, wie etwa Spiegelberg, sondern aus Gerechtigkeitsgefühl um mit anderen, zum Schutz unschuldiger unterdrückter den Kampf gegen die bestehenden Gesetze und die Unterdrückung durch die Gesellschaft aufzunehmen. Karl wird aber im laufe der Zeit bewusst, dass seine Kameraden andere Ziele als er anstreben und ihn nicht wirklich verstehen. Er sehnt sich nach seinem Vater und seiner Geliebten Amalia und erkennt, dass er durch seine Taten die von ihm selbst angestrebte Gerechtigkeit verletzt hat. Er zieht die Folgerungen aus seinem Vergehen und tötet sich selbst, nachdem er das ihm liebste auf Erden opfern musste.
Franz ist im Prinzip das genaue Gegenteil von Karl. Er wird als „von der Natur körperlich stark vernachlässigt beschrieben“ und klagt auch oft selbst über seine Hässlichkeit. Schuld an seinem Aussehen gibt er seinem Vater. Franz war aufgrund seines Mangels an Gemüt und Liebenswürdigkeit weder beim Vater, noch bei Untergebenen beliebt. Er versuchte, den braven Kerl zu mimen, während sich Karl offen gab, wie er war: Im Guten und im Bösen. Hinterlistig aus Hass gegen Karl versucht Franz zuerst seinen Bruder und dann auch seinen Vater mit „schurkischen Mitteln“ zu entfernen. In vielen sekundärliterarischen Werken wird Franz auch als „vollendeter Bösewicht“ bezeichnet. Der Tod von Franz kommt für ihn nicht einer Erlösung gleich, sondern einem ungewollten, plötzlichen Ende seine Herrschaft, seines Reichtums und seines Genusses.
Obwohl beide Brüder in ihren Eigenschaften höchst unterschiedlich sind, so haben beide doch einen Auftrag: Der Kampf gegen die Gesellschaft. Der Unterschied liegt darin, dass Franz mit hinterlistigen Methoden sein Ziel erreichen will, Karl hingegen die Räuberbande als Mittel zum Zweck sieht um mehr Gerechtigkeit ins Land einziehen zu lassen. Beide Brüder merken am Ende, dass beide Methoden nicht zum Ziel führen was schließlich mit dem Tod der beiden endet. Der Libertiner (als Libertiner bezeichnet man eine aus der Gesellschaft ausgegrenzte Person, einen Wüstling Anm.) Spiegelberg ist innerhalb der Räuber das Gegenstück zum edlen, offenen und mutigen Karl. Er ist ein gemeiner Schurke, dessen Ziel ist, alle, die sich gegen ihn richten oder nicht seine Meinung vertreten zu töten. Spiegelberg und die Räuber stellen das beste Beispiel zu der heutigen Terroristenszene dar. Spiegelberg vertritt seine Meinung felsenfest und lässt sich von seinem Ziel, der Gesellschaft zu schaden, von nichts und niemanden aufhalten. Ebenso verhält es sich mit den Terroristen heute. Allerdings lässt sich auch eine Verbindungen zwischen Karl und der Terroristenszene heute herstellen, da Karl nur ein Räuber, ein „Angstmacher“ wird, weil er gegen die Haltung der Gesellschaft ankämpfen wollte. Allgemein kann man also sagen, die gesamte Räubergruppe ist eine Terroristengruppe, da das Wort „Terrorist“ „Angstmacher“ bedeutet und die Räuber durch eine Plünderungen und Morde der Bevölkerung ja Angst machen.