Stress und Psychosomatosen
In Südostasien gibt es eichhörnchengroße Baumbewohner, die Tupaias, die für die Biologen von enorm großer Bedeutung sind. Sie haben die Eigenschaft, bei Angst oder Stress ihren sonst glatten Schwanz zu einer buschigen Bürste aufzustellen und somit ein eindeutiges Signal an die Umgebung abzugeben. Wissenschaftler fanden heraus, dass die Zeit, die der Schwanz gesträubt ist, direkt proportional zu diversen Verhalten ist. Man gab als Index den Schwanzsträubewert an, der die Zeit in Prozent angibt, in der der Schwanz gesträubt ist. Bei einem SSW von 50 wurden Jungtiere nicht geschlechtsreif, bei einem SSW von 70 verloren Tupaias ihre Zeugungskraft und ab einem SSW von 90 starben die Tiere innerhalb von Tagen.
Die Auswirkung von negativem Stress an Tieren zeigt wohl eindrucksvoll, welche Gefahren eine permanente Anspannung birgt. Jedoch gibt es auch positiven Stress, auch Eustress genannt.
Als „Vater des Stress“ gilt der österreichisch-kanadische Mediziner Hans Selye der erstmals den Ablauf einer Stressreaktion skizzierte.
Ablauf einer Stressreaktion
- Nimmt ein Individuum eine äußere Bedrohung war (äußerer Reiz) tritt eine psychologische Veränderung ein, die den Organismus auf Kampf oder Flucht („fight or flight“) vorbereitet. Es kommt zu einer Alarmreaktion, das Zwischenhirn mobilisiert das vegetative Nervensystem, die Adrenalinausschüttung an den Nervenenden erhöht den Herzschlag und die Durchblutung. (Vorphase)
- Wenn diese Anpassung nicht ausreicht, wird zusätzlich Adrenalin und Noradrenalin abgegeben. Hormone mobilisieren den Fettabbau um genügend Zucker zur Verfügung zu stellen und alle zurzeit unwichtigen Funktionen (Verdauungs- und Sexualfunktion) werden gestoppt. (Alarmphase oder Widerstandsphase)
- Hört die Einwirkung des Stressors auf, wird die Ausschüttung von Adrenalin gestoppt, alle Funktionen wieder aktiviert und Kreislauf und Stoffwechsel sinken kurzeitig unter das Normalniveau. (Erholungsphase). Hört die Einwirkung des Stressors nicht auf, kann der Körper einige Zeit Widerstand leisten ehe er sich zu stark verausgabt und stirbt. (Erschöpfungsphase)

Psychosomatische Erkrankungen
Eine lange andauernde Stressreaktion kann zu psychosomatischen Krankheiten führen. Heute geht man davon aus, dass Stress 50% der Krankheiten mitverursacht.
Sowohl der negative Distress oder der positive Eustress erhöhen die Leistungsbereitschaft des Körpers und führen zu einer Anpassung an die gegebene Situation. Ein Leben ganz ohne Stress würde den Tod bedeuten, zu viel Distress ist aber unangenehm und kann sogar zu Krankheiten führen. Die psychosomatische Medizin untersucht seit langem, wie weit seelische Probleme körperliche Beschwerden beeinflussen und ist zu der Erkenntnis gekommen, dass die Einheit zwischen Körper und Seele so innig ist, dass viele Beschwerden, wie Atemnot, Fettsucht, Kopfschmerzen, etc. durch negativen Stress ausgelöst werden können.
Aber auch Organerkrankungen können seelisch bedingt sein. Dazu gehören Gastritis, Geschwüre, Magersucht, Bulimie oder Asthma. Durch spezielle psychosomatische Therapien kann den Patienten mittlerweile sehr gut geholfen werden. Das Grundprinzip der Therapie ist dabei, dass der Patient seine Probleme bewusst erkennt, und diese aktiv löst. Dabei gilt wie bei fast jeder Erkrankung: Je früher man die Therapie beginnt, desto höher die sind Heilungschancen.
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