Deutsch Unterstufe - Einen Text schreiben
Wenn man einen Text schreiben möchte, muss man zuerst entscheiden, welche Erzählform man verwendet.
Wenn man über Erlebnisse erzählen möchte, heißt die Erzählform: Erzählung. Sie ist die am häufigsten angewendet Art.
Wenn man einen längeren Text zusammenfassen möchte und auch sein Kommentar über den Text abgibt, spricht man von einer Zusammenfassung.
Es gibt noch viele weitere Erzählarten, wir wollen uns aber hier nur mit der Erzählung beschäftigen.
Wie ist ein Text aufgebaut?
Jede Erzählung muss immer folgende Punkte beinhalten und sollte genauso aufgebaut sein:
Einleitung
Hier erfährt der Leser, WO die Geschichte spielt, zu welcher ZEIT sie spielt, um WAS es in etwa geht und bedenke, dass die Einleitung erste Eindrücke des Textes widerspiegelt!
Hauptteil
Hier erfährt der Leser die Geschichte. Es wird all das erzählt, was für die Geschichte wichtig ist. Was für die Geschichte wichtig ist erfährst du an der Aufgabenstellung. Lautet die Aufgabe also: Schreibe ein Erlebnis über deine Osterferien ist es unnötig zu schreiben, dass du um 08:00 aufgestanden bist (außer wenn später für die Geschichte noch wichtig ist, aber nur dann!)
Überlege also schon vorher gut, was wichtig ist und baue nur das Wichtige in den Aufsatz ein.
Schluss
Hier erfährt der Leser, wie die Geschichte ausgeht. Der Schluss sollte überraschend sein!
Aller Anfang ist schwer....
...so ist es auch bei Erzählungen. Der Anfang einer Geschichte muss folgendes enthalten: WO spielt die Geschichte? Um WAS geht es in der Geschichte? WER ist da?
Ein Anfang, indem WO, WAS und WER vorkommt, wird als Startformel bezeichnet. Formel deshalb, weil sich im Anleitungstext immer die Punkte WO, WAS und WER befinden.
Startphrasen sind bestimmte Wörter, die versuchen, eine Geschichte langsam zu beginnen wie etwa: An einem schönen Nachmittag…
Es ist klug, eine direkte Rede als Einstieg zu verwenden. Beispiel siehe Hauptteil. Eine Einleitung muss, wie der Name schon sagt, in die Geschichte einleiten.
Der Hauptteil - Das zentrale Motiv
Der Hauptteil ist DER wichtigste Teil im Text. Hier wird das beschrieben, um was es eigentlich geht. Der Hauptteil erzählt also eine Geschichte. Der Leser (in den meisten Fällen der/die Lehrer/in) ist deine Person, an den du den Text richtest. Vergiss das nie. Du schreibst deine Texte um ein Erlebnis mitzuteilen. Daher solltest du darauf achten, dass eine Situation gerade passiert und du ein Teil dieser Situation bist.
Achte auch darauf, dass du nur das für den Text relevante beschreibst. Hier siehst du 2 Texte von 2 Schülern der 1. Klasse Gymnasium. Lies dir beide Texte durch und überlege, welcher dir besser gefällt:
Aufgabenstellung der Lehrerin: Das macht mir Angst
Text 1:
„Der nächste bitte…“. Die Zahnarzthelferin blickte sich um. Eine alte Dame erhob sich und verschwand hinter der Polstertür. Drinnen hörte man zischende Geräusche und ab und zu hörte man ein leises wimmern. Unruhig wippte ich mit meinem Sessel hin und her. Zahnarztbesuche waren eines der wenigen Dinge, die ich gar nicht gerne mochte. Und nun war ich auch noch als nächstes dran…
Text 2:
Ich zog meine Jacke an und ging aus dem Haus. Der Zahnarzt war etwa 10 Minuten von mir entfernt. Ich ging eilig, da ich noch meine Hausübung machen musste. Nach kurzer Zeit war ich da. Ich grüßte die anderen Patienten freundlich, hing meine Jacke auf und setzte mich auf einen freien Platz. Irgendwie hatte ich bei der Sache ein ganz mulmiges Gefühl…
Und, welcher Text gefällt dir besser? Der linke? Beide Texte haben genau 62 Wörter. Nun wollen wir die beiden Texte analysieren um zu sehen, warum der linke Text besser ist.
Die Aufgabe des Lehrers war ja, wie du oben sehen kannst: Schreibe einen Aufsatz über das Thema: Das macht mir Angst. Beide Schüler haben einen Zahnarztbesuch also Thema gewählt. Der linke Text beginnt mit einer direkten Rede, was den Text gleich lebendig macht. Außerdem beginnt der Text dort, wo er auch spielen soll: In der Zahnarztpraxis. Der linke Text erzählt auch, dass eine alte Frau nun in die Praxis geht und man selbst als nächstes dran ist. Dieser Satz schnürt Angst. Der Leser merkt richtig, dass es nun eng wird. Außerdem wird einfach das beschrieben, was einem tatsächlich beim Zahnarzt Angst einjagen will: Bohrgeräusche und ängstliche Patienten. So wirkt eine Geschichte lebendig. Der rechte Text beschreibt eigentlich nur den Weg zum Zahnarzt. Doch das ist nicht die Aufgabe! Es ist für den Leser egal, dass der Zahnarzt 10 Minuten weg ist. Es ist ebenso egal, dass du dir die Jacke anziehst und noch deine Hausübung machen sollst. Aber Achtung: Wenn du diese Informationen verwendest, um dich näher auf das Thema zu beziehen, ist das in Ordnung. Beispiel:
Da der Zahnarzt in etwa 10 Minuten von meinem Haus entfernt war, hatte ich auf dem Weg leider immer genug Zeit, mir auszumalen, wie der Besuch werden könnte. Würde der Zahnarzt wieder bohren? Wird er mir vielleicht sogar eine Zahnspange verordnen? Schnell verwarf diese Gedanken und beschleunigte meine Schritte.
Wie du siehst, wurde die Information mit den 10 Minuten Gehzeit verwendet, um sich Gedanken über den Zahnarzt zu machen. Und das passt zum Thema!
Und wie schreibe ich nun?
Schreiben kann man nur dann, wenn man über etwas schreiben kann. Auf den ersten Blick ein unsinniger Satz, doch auf den zweiten Blick erkennt man, dass es stimmt. Wenn man nichts zu erzählen hat, und nichts kennt, kann man darüber auch nicht schreiben. Es sei den, und nun tritt ein neuer Punkt zutage, man erfindet etwas. Dem Erfinden widmen wir uns später, überlegen wir nun, wie wir von einem Erlebnis zur Geschichte kommen.
Lies folgenden Text mit der Aufgabenstellung: So was dummes!
Es war an einem Samstagabend. Die ganze Familie, das sind meine Eltern, meine Großeltern, mein kleiner Bruder und ich, saßen an einem Tisch und spielten “Mensch ärgere dich nicht”. Es war schon 8 Uhr und meine Großeltern beschlossen, ins Bett zu gehen. Mein Vater und meine Mutter spielten noch weiter. Draußen begann ein fürchterliches Unwetter zu toben. Es blitzte und es donnerte, doch das Spiel war so spannend, dass ich gar nicht darauf achtete. Nun wollten auch meine Eltern und mein Bruder schlafen gehen und redeten mir zu, auch ins Bett zu gehen. Doch ich blieb noch auf und wollte noch kurz allein weiter spielen. Ich merkte dabei gar nicht, wie schnell die Zeit verging. “Schon fünf nach zehn!” Ich bekam einen Schreck, als ich auf die Uhr sah. Ich war jetzt schon sehr müde. Als ich ins Bad ging, stieß ich vor Erschöpfung an die Wand an. Plötzlich gab es einen gewaltigen Knall. Das Licht ging aus, gleich darauf donnerte es gewaltig und ich erschrak fürchterlich. Nun war ich wieder hellwach. Ich dachte mir :” Wahrscheinlich hat es einen Kurzschluss gegeben.” und wollte hinaus zum Sicherungskasten. Da ich aber in der Dunkelheit die Haustür nicht fand, rief ich laut :”Wo ist denn die verflixte Tür ?”, in der Hoffnung, dass mich meine Mutter hörte. Vergeblich ! Da fiel mir die Taschenlampe ein, die meine Großeltern im Schrank aufbewahren. Mit Mühe gelang es mir, das Schlafzimmer meiner Großeltern zu finden. Leise öffnete ich die Tür und tastete mich zum Schrank vor. In diesem Augenblick ging das Licht wieder an. Ich dachte :” So was Dummes ! Nachdem ich die Taschenlampe endlich gefunden habe, brauche ich sie nicht mehr.”Ich war aber trotzdem erleichtert, putzte mir die Zähne und ging ins Bett.
Was glaubst du: Hätte man der Geschichte auch den Titel: Da hatte ich Angst geben können? Begründe deine Meinung!
Was für einen Titel hat deiner Meinung der Verfasser gewählt?
Was sagst du: Wurde die Aufgabenstellung erfüllt?
Der Schluss - Das Ende
Das Ende muss überraschend, seltsam, unerwartet sein. Nichts stört mehr, als eine spannende Geschichte mit langweiligem Schluss. Überlege also schon am Anfang, wie die Geschichte ausgehen könnte.
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